Für mich geht es bei der Reportage darum, eine authentische Szene einzufangen. Das kann beispielsweise eine Hochzeit, der erste Schultag oder ein Festival sein. Wichtig dabei ist, dass der Betrachter sieht, in welchem Zusammenhang die Bilder zueinander stehen. Im folgenden Beitrag möchte ich meine Überlegungen zur Reportage mit euch teilen.

Ausrüstung

Für die Reportage Fotografie wird oft der Grundsatz geprädigt, möglichst unauffällige Ausrüstung zu tragen um nicht aufzufallen, damit sich die zu fotografierenden Personen authentisch verhalten und nicht automatisch in das Objektiv des Fotografen blicken. Das ist nicht immer möglich oder zielführend, zumal man ohnehin oft vor dem Aufnehmen eines Fotos die Erlaubnis der betroffenen Person braucht. Deshalb: Regel ignorieren, mit den Leuten sprechen und mit der Ausrüstung eurer Wahl los fotografieren.

Was ich empfehle:

  • Kamera, welche die Modi Manuell, AV und TV unterstützt
  • Ein- oder mehrere Objektive, Brennweite von 24-200mm
  • Bequemer Tragegurt

Kameraeinstellungen

Wenn es die Kamera zulässt, solltest du zunächst das Format deiner Fotos auf RAW einstellen. Damit kannst du die Fotos im Nachhinein besser bearbeiten und ein scheinbar unbrauchbares Foto noch retten. Für den Farbraum stellst du Adobe RGB in der Kamera ein. Wenn du feststellst, dass bei deinen Fotos die Schärfe nicht exakt sitzt – entweder zu weit vorne oder zu weit hinten – dann sieh in der Bedienungsanleitung deiner Kamera nach, ob sich der Autofokus feinjustieren lässt.

Ich fotografiere gerne im Manuellen Modus und ändere bei Bedarf nur den ISO Wert. Das hat den Vorteil, dass die Kamera nicht unbeabsichtigt die Verschlusszeit oder Blende ändert und somit ein Bild entsteht, dass ich eigentlich nicht haben wollte. Gerade bei sehr kontrastreichen Motiven bleibt oft nur der Manuelle Modus. Um festzustellen, ob die Belichtung stimmt, haben die meisten DSLRs im Sucher eine Belichtungsanzeige. Die Kamera misst die Belichtung und zeigt dir, ob der gemessene Bereich korrekt belichtet wird. Der Messbereich lässt sich oft auswählen.

Ob das Motiv korrekt belichtet wird, ist von 3 Einstellungen abhängig, die sich gegenseitig beeinflussen:

  1. Verschlusszeit
  2. Blende
  3. ISO Empfindlichkeit

Es gilt:

  • Kürzere Verschlusszeit (z.B. 1/1000 s) –> Weniger Licht trifft auf den Sensor, dunkleres Bild
  • Längere Verschlusszeit (z.B. 1/100 s) –> Mehr Licht trifft auf den Sensor, helleres Bild
  • Kleinere Blende (z.B. f11) –> Weniger Licht trifft auf den Sensor, dunkleres Bild
  • Größere Blende (z.B. f4) –> Mehr Licht trifft auf den Sensor, helleres Bild
  • Kleiner ISO Wert (z.B. 100) –> Sensor ist weniger empfindlich, dunkleres Bild
  • Großer ISO Wert (z.B. 6400) –> Sensor ist empfindlicher, helleres Bild

Es gibt etliche Tabellen und Rechner im Internet, die angeben, wie viel abgeblendet oder aufbeglendet werden muss wenn eine bestimmte Verschlusszeit eingestellt ist. Vergiss die Rechnerei. Kein Mensch hat die Zeit, sich beim Fotografieren irgendwelche Werte auszurechnen. Ich persönlich kann mir die Werte ohnehin nicht auswendig merken und verlasse mich auf meine Erfahrung, den integrierten Belichtungsmesser und das Histogramm.

Was bedeutet das jetzt? Für die Reportage Fotografie möchte ich oft einfach scharfe Bilder mit einer schönen, aber nicht allzu großen Hintergrundunschärfe. Deshalb wähle ich folgendes Setup im manuellen Modus:

  • Verschlusszeit: >1/200 s
  • Blende: f5,6-f11
  • ISO: Automatisch oder Wert selber einstellen
  • Weißabgleich: Automatisch oder Vorgabe einstellen
  • Fokus: One Shot oder AI Servo
  • Fokuspunkt: Mitte oder dort, wo ich ihn haben will
  • Belichtungsmessung: Spot

Um die Einstellungen schnell vornehmen zu können, habt ihr mehrere Möglichkeiten:

  1. Verwende den Tv (Time value) oder Av (Aperture value) Modus zu Beginn. Beim Tv Modus stellst du die Verschlusszeit ein und die Blende ändert sich so, dass die Belichtung pass. Beim Av Modus stellst du die Blende ein und die Verschlusszeit passt sich an. Für bewegte Motive, die scharf abgebildet werden sollen, willst du den Tv nehmen und eine kurze Verschlusszeit unter 1/500 s wählen. Ist dir die Blende wichtiger als die Verschlusszeit, nimm den Av Modus.
  2. ÜBEN! Nimm deine Kamera und übe. Passe die Einstellungen an, ohne vom Sucher weg zu gehen. Behalte dabei die Belichtungsanzeige im Auge. Irgendwann hast du genug Übung und Erfahrung und kannst die Lichtsituation gut einschätzen. Du weißt nach einiger Zeit, welches Setting gut funktionieren wird und musst weniger probieren.

Motive und Bildaufbau

Bei der Reportage kommt es drauf an, dieses “Mittendrin” Gefühl zu vermitteln. Suche dir also interessante Motive und bilde sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln ab. Begib dich ins Geschehen und benutze zunächst eine Brennweite von 35-50-70 mm. Experimentiere mit der Blende. Wähle den Bildausschnitt so, dass möglichst wenig störende Objekte darauf zu sehen sind. Beziehe auch den Vordergrund mit ein. Setze dich z.B. hinter einen Busch und lass ihn etwas in das Bild hineinragen. Ändere die Perspektive und halte bewusst die Kamera ab und zu schief. Setze diese Technik dann ein, wenn eine Szene an Dynamik gewinnen soll.

Suche dir Bilder aus dem Internet, die dir gefallen und versuche, diese nachzumachen. Du wirst mit der Zeit deinen eigenen Stil finden. Die Fotos in der Galerie wurden mit einer Brennweite zwischen 35 und 70mm aufgenommen.

 

Bearbeitung am Computer

Du hast deine Fotos im Kasten und bist nun gespannt, wie sie auf deinem Computer aussehen. Die Kamera angeschlossen stellst du erstmal fest, dass die Fotos im RAW Format vorliegen. Das bedeutet, du hast Bilder in erstklassiger Qualität und ohne Komprimierung. Optimal also für die weitere Verarbeitung in Adobe Lightroom.

 

 

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